Geschichte

Der Namenspatron der Schule

Friedrich August Hoffmann

Als erster ortsfremder Pfarrer kam Friedrich August Hoffmann im Jahre 1811 nach Betzingen. Er stammte aus dem Stuttgarter Raum und hatte sein Theologiestudium mit Promotion abgeschlossen.

Als Ortsschulinspektor hatte sich der Pfarrer die Anhebung des Schulstandards zur Aufgabe gemacht. Er führte die Sommer- und damit die Ganzjahresschule ein, bestrafte Schulversäumnisse konsequent und erreichte damit einen regelmäßigen Schulbesuch der Betzinger Kinder.

Mit Philipp Ludwig Griesinger holte Hoffmann den ersten staatlich geprüften Lehrer nach Betzingen und der Neubau eines Schulhauses im Jahre 1825 wurde auf Hoffmanns Initiative hin verwirklicht.

Neben diesen amtlichen Tätigkeiten bemühte sich Hoffmann auch um das Wohl der verarmten Gemeinde. Zusammen mit dem Schultheiß Martin Brucklacher gründete er 1818 die Viehleihkasse, die erste Darlehenskasse in Württemberg. Diese Einrichtung wurde zum Vorbild für das Königreich Württemberg, es folgten zahlreiche Anfragen an Hoffmann, um "Notizen zur Einrichtung einer solchen Casse" zu bekommen.

Über den Stadtteil Betzingen

Betzinger Wappen
Backsteingebäude aus dem Jahr 1906
Villa Schickhardt
Industriegebiet Mark West
Betzinger Trachtengruppe

Als Friedrich August Hoffmann seine Stelle als Pfarrer und Ortsschulinspektor 1811 antrat, war die Betzinger Schule noch im Rathaus bei der Kirche integriert. Wie die Gemeinde selbst nahm auch das Schulwesen in Betzingen – nicht zuletzt durch Pfarrer Hoffmann – seinen Aufschwung. Er selbst veranlasste 1825 den Bau eines Schulgebäudes in der Mühlstraße und setzte 1837 durch, dass das bestehende Schul-und Rathaus bei der Kirche  in ein reines Schulhaus umgewandelt wurde. Dies wurde 30 Jahre später abgebrochen und durch einen Schulhausneubau ersetzt, der bis in die 1970er Jahre hinein schulisch genutzt wurde.  Weitere Schulneubauten folgten in Betzingen im Jahr 1890 mit der Eisenbahnschule, 1906 mit dem Backsteingebäude und 1966 mit dem heutigen Rektoratsgebäude der Hoffmannschule und 1968 mit dem dazu gehörenden Erweiterungsbau.


Fast zeitgleich mit der Einweihung des obigen Gebäudes erfolgte die Eingemeindung von Betzingen nach Reutlingen im Jahr 1907. Damit ist Betzingen der älteste Stadtbezirk von Reutlingen und gleichzeitig auch sein größter, sowohl  flächenmäßig als auch nach der Zahl seiner Bewohner, aktuell ca. 11000.
Den Aufschwung vom Bauerndorf Betzingen zum respektablen und durchaus wohlhabenden Reutlinger Vorort verdankt Betzingen der Industrialisierung im alteingesessenen Textilhandwerk. Zwar war Betzingen schon immer ein Leinenweber-Dorf mit einer großen Anzahl selbstständiger Leinenweber, ab 1850 entstanden jedoch vier größere Textilfabriken entlang der Echaz: Schickhardt, Knapp, Marggraff und Egelhaaf, die für Arbeitsplätze und eine gewisse Prosperität der Bevölkerung sorgten. Bis zum heutigen Tag bereichern auch die ehemaligen Villen der Fabrikanten  – die Marggraffschen Villen in der Mühlstraße oder die Villa Schickhardt  – das Betzinger Ortsbild.

Der Anschluss Betzingens an das württembergische Eisenbahnnetz im Jahr 1859 brachte ein zusätzliches Wachstum und weiteren wirtschaftlichen Aufschwung mit sich. Durch den Zuzug auswärtiger Arbeitskräfte entstanden neue Wohnviertel, was allerdings auch einen spürbaren sozialen Wandel mit sich brachte: Vom Bauerndorf zum beliebten, fast städtischen Arbeiterwohnort, wobei sich auch die Infrastruktur änderte und „verstädterte“. Angefangen von der eigenen Stromversorgung durch die Betzinger Mühle, die für elektrisches Licht auf Betzinger Straßen sorgte, Bau einer Turnhalle, eines neuen Bahnhofes, Entstehung von Einkaufsgeschäften  bis hin zu einer Apotheke, die es bis dahin nur in größeren Städten gab.
Beide Weltkriege überstand der Ortsteil Betzingen relativ glimpflich, obwohl er im März 1944 auch einmal das Ziel eines Bombenangriffs war, wobei ein paar Dutzend Gebäudezerstört oder beschädigt wurden, jedoch keine Menschenleben zu beklagen waren. Nach dem Krieg stieg die Bevölkerung Betzingens noch einmal durch einen enormen Zustrom von Flüchtlingsfamilien, für die Wohnraum geschaffen werden musste, so dass neue Wohngürtel um das alte Betzingen gelegt werden musste, z.B. die Wildermuth-Siedlung, die mit Hilfe von Marshallplan-Mitteln entstand oder die Wohngebiete im Norden Richtung Degerschlacht. Es mussten allerdings nicht nur Wohnraum sondern auch Arbeitsplätze geschaffen werden. Dies führte auch zu einem weiteren strukturellen Wandel: Es entstanden große neue Gewerbegebiete wie z.B. Mark West, wo sich heute fast 200 Firmen befinden, die über  6000 Arbeitsplätze zur Verfügung stellen.

Auch die Betzinger Infrastruktur hat sich wegen der zunehmenden Bevölkerungszahl verändert: Etliche neue Kindergärten und ein Hallenbad wurden gebaut, eine neue Sporthalle und ein neues Sportgelände entstanden genauso wie eine Ortsbibliothek und fast noch im Dorfkern befindet sich ein neues Alten- und Pflegeheim. Ebenso gibt es ein Gemeindezentrum bei der evangelischen Kirche und eine Altenbegegnungsstätte.

Natürlich ist man in Betzingen auch darauf bedacht, die örtliche Tradition zu bewahren. So wurde z.B. ein Heimatmuseum eingerichtet, welches als „vorbildliches Heimatmuseum“ ausgezeichnet wurde und welches sich auch um den Erhalt und die Pflege der Betzinger Tracht kümmert. Ebenso wurde die historische Zehntscheuer beispielhaft renoviert und steht der Bevölkerung für verschiedene Veranstaltungen zur Verfügung.